IKARUS, No. 5
Taliabu-Schleiereule (Tyto nigrobrunnea)

Die Taliabu-Schleiereule war lange nur vom Typusexemplar aus dem Jahre 1938 bekannt, bevor sie im Oktober 1991 wiederentdeckt wurde. Populationsdaten gibt es nicht. BirdLife International schätzt den Bestand auf 250 bis 1000 Exemplare und stuft die Art als „stark gefährdet“ (endangered) ein. Die Hauptbedrohung geht von der Entwaldung aus, die auf Taliabu im großen Stil betrieben wird. Der Hauptanteil der Flachlandwälder Taliabus unterhalb 800 Metern ist für Einschlagkonzessionen der Nutzholzindustrie ausgewiesen. Der selektive Holzeinschlag hat bereits ein Mosaik von Waldbeständen unterschiedlichen Alters erzeugt, wobei nur noch wenige großflächige Bereiche von primären Flachlandwäldern erhalten geblieben sind. Die Auswirkungen der Lebensraumzerstörung auf die Art sind nicht bekannt, aber die Waldzerstörung stellt eine beträchtliche Bedrohung dar.

Anmkerkung Dr. Martin Päckert, Sektionsleiter Ornithologie, Senckenberg Institut:
Das Typus-Exemplar der Taliabu-Schleiereule, Tyto nigrobrunnea, in den Senckenberg-Naturhistorischen Sammlungen Dresden (InvNr MTD-C44282) ist das einzige nachgewiesene Exemplar dieser Art in Museumssammlungen weltweit. Das Dresdener Exemplar wurde am 20.10.1938 auf der zu den westlichen Molukken gehörenden Insel Taliabu von J.J. Menden gesammelt. Anhand dieses Exemplars beschrieb Neumann im Folgejahr die damals neue Art, Tyto nigrobrunnea. Kürzlich konnte im Reinraum des molekulargenetischen Labors der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden DNA aus einer Gewebeprobe des Typusexemplars extrahiert und untersucht werden. Gemeinsam mit Kollegen der Universität Lausanne, Schweiz, konnte das Exemplar von Taliabu in den genetischen Stammbaum der Schleiereulen eingefügt werden. Die gemeinsame Publikation zur Stammesgeschichte der Schleiereulen erschien im Jahr 2018 im Fachjournal Molecular Phylogenetics and Evolution.

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1055790317306115?via%3Dihub