ANIMA, No. 23
Moschustier (Moschus moschiferus)

Moschustiere (Moschidae) sind eine mit den Hornträgern (Bovidae), also mit Antilopen, Ziegenartigen und Rindern, verwandte Familie der Paarhufer.
Ursprünglich nahm man an, dass sie mit den Hirschen verwandt sind: In älterer Literatur wurden sie oft als Moschushirsche bezeichnet und als ursprüngliche Unterfamilie der Hirsche angesehen. Abweichend von den Hirschen weisen sie eine Gallenblase auf und das Euter der Weibchen hat lediglich zwei statt vier Zitzen. Neben der namensgebenden Moschusdrüse und einer weiteren Schwanzdrüse haben die Moschustiere verlängerte obere Eckzähne, jedoch fehlen Gesichtsdrüsen und Geweihe.

Moschustiere leben vorwiegend in bewaldeten und alpinen Buschhabitaten in den Bergen Südasiens, insbesondere im Himalaya. In Europa gab es die ersten Vorkommen im Oligozän; heute sind sie dort jedoch ausgestorben.

Die Substanz der Moschusdrüse wird zur Herstellung von Parfümen und Seifen sowie in der traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. Aus einer Drüse lassen sich nur 25 bis 30 Gramm Moschus entnehmen, sodass für ein Kilogramm Moschus durchschnittlich 36 Tiere getötet werden müssen. Der Marktwert von Moschus ist hoch. 1999 wurden 45.000 US$ je Kilogramm bezahlt.
Durch die starke Bejagung sind die Bestände aller Arten zurückgegangen. Das Sibirische Moschustier wird von der IUCN als gefährdet (vulnerable) eingestuft, während die übrigen Spezies als stark gefährdet (endangered) gelistet sind.

Nairobi, Frankfurt am Main, 18.4.2000: Bei der 11. Artenschutzkonferenz in Nairobi haben sich die Vertragsstaaten heute auf einen besseren Schutz des gefaehrdeten Moschustiers geeinigt. Die Umweltstiftung WWF-Deutschland wertet dies als Erfolg ihrer langjaehrigen Bemuehungen um die Erhaltung der scheuen asiatischen Hirsche.

„Seit vielen Jahren setzen wir uns fuer den Schutz des Moschustiers ein. Wir haben Studien veroeffentlicht, mit Regierungen, Haendlern und Konsumenten verhandelt und das Thema ins Bewusstsein der Oeffentlichkeit gebracht“, berichtet Volker Homes, Moschus-Experte beim WWF-Deutschland. „Wir sind sehr gluecklich, dass diese Arbeit jetzt zum Erfolg gefuehrt hat.“

Verbreitungsstaaten und die Staaten, die mit Moschus handeln, haben sich darauf geeinigt, kuenftig gemeinsam gegen Wilderei und illegalen Handel vorzugehen, die Moschustier-Bestaende genauer zu erfassen und strenger zu schuetzen. Ausserdem verpflichten sich die Beteiligten, Exportquoten fuer Moschus festzulegen, die die Bestaende nicht gefaehrden. Auch ueber einen voruebergehenden Handelsstopp wird nachgedacht.

„Dies ist der einzig richtige Weg, den Moschustieren zu helfen. Zunaechst haben einige Staaten fuer ein absolutes Handelsverbot plaediert. Dies ist aber kein geeignetes Mittel, um den illegalen Handel zu stoppen. Wirkungsvoller ist ein internationales Ueberwachungssystem, das rechtlich aber nur dann moeglich ist, wenn Handel erlaubt ist“, erklaert Roland Melisch, Leiter des WWF-Artenschutzprogramms von der Konferenz in der kenianischen Hauptstadt. Die Delegierten folgten mit ihrer Entscheidung schliesslich weitgehend der WWF-Empfehlung.

Moschus, das Sekret aus der Druese maennlichen Moschustiere, wird zu 90 Prozent in der traditionellen ostasiatischen Medizin verwendet. Zehn Prozent des legal verkauften Moschus ging bisher an die franzoesische Parfuemindustrie. In Gespraechen mit dem WWF-Deutschland haben sich die grossen Parfuemhersteller bereit erklaert, in absehbarer Zeit auf die Verwendung von natuerlichem Moschus zu verzichten. Der WWF fordert die Hersteller Guerlain, Rochas und Chanel jetzt dazu auf, dieses Versprechen auch einzuloesen und darueber hinaus fuer den Schutz der Moschustiere aktiv zu werden.

„Viele Jahre lang haben die Parfuemhersteller mit Moschus Geld verdient und wissentlich oder auch unwissentlich zum Rueckgang der Bestaende beigetragen. Jetzt sollten sie die Gelegenheit ergreifen und Projekte zum Schutz der Tiere unterstuetzen“, forderte Melisch am Montag in Nairobi.

Quellen: http://www.eco-world.de/service/news/archiv/1987/index.html / wikipedia