ANIMA, No. 20
Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca)

Der Große Panda, früher auch Bambusbär genannt, gehört zu den am meisten bedrohten Tierarten der Welt, wurde zum Wappentier des WWF erklärt und anschließend mit zum Symbol für den internationalen Artenschutz. Die 1864 noch in der Wildnis lebenden Pandas verteilen sich auf sechs Bergregionen im Südwesten Chinas.

Die Frage, ob der Große Panda zur Familie der Klein- oder der Großbären gehört oder aber in eine eigene Familie einzuordnen ist, hat Wissenschaftler lange Zeit beschäftigt. Mittlerweile ist man aber sicher, dass er zur Familie der Ursidae (Großbären) zu zählen ist. Pandabären sind Säugetiere und gehören der Ordnung der Carnivora (Raubtiere) an – und das, obwohl sie sich fast ausschließlich pflanzlich ernähren.

Ungefähr alle zehn Jahre werden die Großen Pandas in einer umfassenden Zählung von der chinesischen Forstbehörde erfasst. Der letzten großen Panda-Zählung im Jahr 2014 zufolge gibt es mindestens 1.864 Tiere in freier Wildbahn (ohne abhängige Jungtiere unter 1,5 Jahren). Das sind knapp 17 Prozent mehr Pandas als bei der letzten Zählung im Jahr 2004, als die Populationsgröße auf ca. 1.600 Tiere geschätzt worden war. Bei der allerersten Bestandsaufnahme in den Jahren 1974-1977 wurde die Pandapopulation noch auf rund 2.560 Tiere in der Wildnis geschätzt. Doch zehn Jahre später wurden bei der zweiten Studie (1985-1988) lediglich 1.216 Große Pandas erfasst. Die ersten Studien sind zwar aufgrund verändertem Aufwand und Methoden nicht komplett miteinander vergleichbar, erlauben aber dennoch Rückschlüsse auf die Bestandsentwicklungen.

Die Bestandserhebungen werden von der staatlichen Forstbehörde Chinas (State Forest Administration, SFA) in enger Zusammenarbeit mit dem WWF durchgeführt. Der WWF stellt der chinesischen Forstbehörde vor allem technische Unterstützung zur Verfügung und hilft bei der Entwicklung der Zählmethoden.

Für die Pandazählungen rücken zahlreiche Helfer aus. Bei der letzten Untersuchung waren es mehr als 2.000 Menschen, die insgesamt mehr als 60.000 Personen-Tage im Gelände verbrachten. Sie halten im Pandalebensraum nach Spuren der schwarz-weißen Bären Ausschau, vor allem nach ihrem Dung. Darin suchen die Helfer nach Stücken unverdauten Bambus. Jeder Panda hinterlässt individuelle Fraßspuren vergleichbar mit einem Fingerabdruck.

Der Große Panda galt lange Zeit als „stark gefährdet“. Aufgrund der Ergebnisse der letzten Bestandsausnahme wird der Große Panda seit 2016 in der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) nur noch als „gefährdet“ eingestuft. Damit ist er allerdings nach wie vor bedroht. Die Art ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) im Anhang I und in der europäischen Artenschutzverordnung (EG-Verordnung 338/97) im Anhang A aufgeführt und somit vom internationalen kommerziellen Handel mit wildlebenden Exemplaren ausgeschlossen.
Trotz aller Schutzbemühungen ist das Überleben der Pandas in freier Wildbahn noch lange nicht gesichert. Von der chinesischen Regierung, die dem Panda die höchstmögliche Schutzpriorität einräumt, wurden zwar seit 1963 insgesamt 67 spezielle Pandaschutzgebiete geschaffen, aber zum Zeitpunkt der Zählung 2014 lebten trotzdem nur etwa 67 Prozent der Großen Pandas in geschützten Gebieten.

Hauptbedrohung für den Großen Panda ist heutzutage die Zerschneidung seines Lebensraums durch Straßen, Bahntrassen, Infrastruktur und landwirtschaftliche Nutzflächen. Gefährlich wird es für die Großen Pandas auf ihren Waldinseln auch dann, wenn ihre Nahrungsgrundlage, der Bambus, blüht und anschließend ganz natürlich abstirbt. Dies geschieht je nach Bambusart alle fünfzehn bis 120 Jahre und betrifft alle Pflanzen der Art synchron. Auch die Wilderei stellt für die Pandas immer noch eine Gefahr dar. Zwar werden die Bären aufgrund hoher Strafen kaum noch direkt gejagt, aber sie verletzen sich oder verenden noch immer in Schlingfallen für andere Tiere wie Hirsche und Nager.
Neuere Studien deuten zudem darauf hin, dass der Klimawandel die Pandabestände beeinträchtigen könnte. So prognostizieren Wissenschaftler für die nächsten 80 Jahre einen Rückgang der Bambuswälder um mehr als 35 Prozent.

Quelle: WWF