ANIMA, No. 13
Jaguar (Panthera onca)

Der Jaguar ist die einzige Großkatze, die ihre Beute mit einem Biss in den Schädel töten kann. Sein Gebiss ist fast doppelt so stark wie das eines Löwen.

Nach dem Tiger und dem Afrikanischen Löwen ist der Jaguar die drittgrößte Katzenart der Welt. Er ist vorwiegend im tropischen Regenwald des Amazonas beheimatet und in der freien Wildbahn vom Aussterben bedroht, denn dort leben nur noch zwischen 15 000 und 25 000 Tiere.

Der Jaguar, der nun in der Dauerausstellung zu sehen ist, wurde naturgetreu im sogenannten dermoplastischen Verfahren präpariert. Dabei wird ein künstlicher Körper modelliert, der in seinen Abmessungen und in seiner Anatomie bis ins Detail dem lebenden Muskelkörper des Tieres entspricht. Vom Originalmaterial des toten Jaguars wird lediglich das Fell für das das Präparat verwendet. „Neben den von dem Tier genommenen Maßen sind Abgüsse des Körpers, angefertigte Zeichnungen sowie Fotografien lebender Jaguare sehr hilfreich, um eine möglichst realistische Darstellung zu erreichen“, erklärt Präparator Udo Becker, der Haltung und Bewegungsabläufe des Tieres für seine Arbeit genau studierte. Für den Jaguar hat er eine liegende Position auf einem Baumstamm gewählt. Auch einige individuelle Merkmale, z. B. die Gestalt des Kopfes und die Irisfarbe der Augen dieses Jaguarmännchens möchte der Präparator im Exponat berücksichtigen.

Dieser Jaguar wurde im Allwetterzoo Münster geboren und verstarb im Landauer Zoo als Senior im Alter von 20 Jahren. Als Geschenk des Zoos kam er schließlich zu uns nach Frankfurt – eine tolle Gelegenheit für das Museum, aber auch eine Herausforderung. Die Präparation von Großkatzen gilt in Fachkreisen nämlich als besonders anspruchsvoll. Senckenberg-Präparator Udo Becker wendete das für Wirbeltierdarstellungen typische dermoplastische Präparationsverfahren an: Er modellierte einen künstlichen Körper aus Gips, der in Anatomie und Körpermaßen dem des 77 Kilo schweren Jaguarmännchens bis ins Detail entspricht. Bei einem originalgetreuen Modell passt die Haut des Tieres anschließend perfekt auf den Körper. Lediglich Haut und Fell stammen also noch vom Jaguar. Die gegerbte Haut wurde in feuchtem Zustand über den künstlichen Körper gelegt und flächig verklebt. So ist das Exponat deutlich haltbarer und naturgetreuer als frühere Präparate. Seit 2014 ist der Jaguar im Säugersaal ausgestellt.