An experience report about the Olympus Pen-F. In german.

Letztes Jahr startete eine Partnerschaft zwischen dem BFF (Berufsverband freier Fotografen und Filmemacher) und Olympus. Nicht nur, dass sich Olympus schnell, tatkräftig und unbürokratisch als Unterstützer, unter anderem für den Photokina-Auftritt des BFF, generierten, sie stellen uns auch ihre Produkte zum Testen zur Verfügung.

Dieses Angebot habe ich schnell wahrgenommen, aus folgendem Beweggrund:

Ende letzten Jahres war ich nominiert für den AOP Award und hatte eine Ausstellung in einer Galerie in New York. Der AOP ist quasi das Britische Pendant zum BFF. Ich wurde letztes Jahr aufgenommen, nominiert und nach London zur Preisverleihung und Party geladen. Und nach New York reiste ich ebenfalls, zur Vernissage.

Bei solchen Events nimmt man nicht seine “Arbeitstiere”, seine großen Kameras mit. Zu schwer, zu groß, zu unnötig. Trotzdem möchte man als Fotograf eine Kamera dabei haben, das Smartphone reicht nicht, weil zu wenig Spielraum, was die Gestaltung wie das Spiel mit der Schärfe zum Beispiel angeht.

Gute Bilder soll die Kamera machen, klein, aber nicht zu klein sein und noch dazu gut aussehen. Und im besten Fall eine Wechseloptik haben. Für soche Zwecke habe ich bisher meine Fuji X-E1 mit dem FUJINON XF35mm F1.4 R benutzt. 100%ig zufrieden bin ich damit allerdings nicht – der Autofokus ist zu langsam, der Apparat irgendwie zu sperrig. Wie gesagt, sehr subjektive Gründe.

Da kam mir das Angebot von Olympus gerade recht, rein optisch war ich bereits von der Pen-F begeistert, erinnerte sie mich doch an meine Pen F (1963), die ich von meinem Vater bekommen und mit der ich meine ersten Bilder gemacht hatte.

Olympus schickte mir freundlicherweise die Pen-F plus das M.ZUIKO DIGITAL ED 7‑14mm 1:2.8 PRO, das M.ZUIKO DIGITAL ED 12‑40mm 1:2.8 PRO und das M.ZUIKO DIGITAL 17mm 1:1.8 zu, kurz vor dem Abflug nach London.

Ich hatte ausgiebig Zeit die Kamera und die Linsen zu testen, unter den unterschiedlichsten Bedingungen. Beispiele anbei. Außerdem hatte ich die Gelegenheit das “Look & Feel” der Kamera zu testen. Die Werbung von Olympus verspricht “This Beauty is a Beast” – und sie haben Recht. Die kleine Kamera hat es in sich. Zum Vergleich: Sie ist ca. 1,5cm schmaler und 1cm “flacher” (Höhe) als eine Leica M9 und wiegt fast 200gr weniger.

In der Regel hatte ich das 17mm Objektiv drauf, da es das leichteste und kürzeste, fast schon ein Pancake, ist. Außerdem bin ich es gewohnt mit Festbrennweiten zu fotografieren und halte mich an die Regel von Robert Capa: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind – dann bist du nicht nah genug dran!“

Das 12-40mm habe ich öfter verwendet, hat die Kamera aber schnell zu kopflastig gemacht (382gr), gerade wenn man sie am Gurt über der Schulter trägt. Das Weitwinkel-Zoom 7-14mm hatte ich hin und wieder an der Kamera, ist aber mit 535gr noch schwerer und mit der gewölbten Fontlinse noch unhandlicher.

Was mich anfangs (und auch jetzt) noch etwas verwirrt, sind die vielen Bedienungsmöglichkeiten an der Pen-F. Rädchen hier, Rädchen dort, zwei individuell programmierbare Funktionsknöpfe, ein Einstellrädchen vorne drauf, mit dem man direkten Zugriff auf die “Art-Filter” hat: Körniger S/W-Film, Weichzeichner, Crossentwicklung und viele Spielereien mehr. Interessant ist, dass ich darüber zunächst die Nase gerümpft habe “Außer RAW kommt mir nichts auf die Karte”, später aber mit dem größten Vergnügen mit dem körnigen S/W “Filter” fotografiert habe. Was vielleicht an dem Retro-Design der Kamera geschuldet ist. Was übrigens hervorragend umgesetzt wurde. Es wirkt äußerst hochwertig und besteht teilweise aus einer Magnesiumlegierung. Sie ist griffig “beledert” (Gummi), was sogar auf dem Objektiv-Entriegelungsknopf zu finden ist. Und auf der Rückseite des Monitors. So erscheint sie, wenn der Monitor umgeklappt ist, fast gänzlich analog.

Technische Testberichte gibt es mehr als genug im Internet, ich möchte meine persönliche Erfahrung widergeben.

Das Fotografieren mit der Pen-F macht Spaß. Sie hat sich als extrem zuverlässig erwiesen, viele der Einstellmöglichkeiten, bei denen ich erst die Stirn gerunzelt habe, habe ich später schätzen gelernt.

Ein paar Beispiele. Der Art-Filter “Körniger S/W Film”, direkt einstellbar über das Front-Rädchen, das “Kreativ-Rad”. Da ich die Möglichkeit habe, neben dem bearbeiteten jpg noch das RAW abzuspeichern, habe ich diese Variante ausgiebig benutzt. Mag es daran liegen, dass das Design der Kamera einen zu solch einer nostalgischen Gestaltung verführt, mag es daran liegen, dass ich auch gerade mit der Mamiya RB67 und dem Kodak Tri-X arbeite, es macht Spaß.

Ein weiteres Highlight ist der WiFi Anschluss. Über das Touchpad aktiviert, war die Kopplung mit meinem iPhone unkomliziert und rasend schnell erledigt. Zusammen mit der Olympus App “OLYMPUS Image Share” eröffnet sich eine Fülle von Funktionen. Das Importieren von Bildern (jpg) auf das Smartphone habe ich sicher am meisten genutzt. Bilder machen, auswählen, auf das Telefon laden, posten. Ein Vorgang von wenigen Augenblicken, schnell und reibungslos. Über die App lässt sich die Kamera auch steuern. Per liveview kann ich zwischen manuellem, blenden- oder zeitgesteuertem Modus wechseln, ich kann die Belichtungszeit, die Blende, den Weißabgleich und die Belichtungskorrektur einstellen. Eine Vollwertige Fernbedienung also. Und eine Möglichkeit nicht direkt als Fotograf identifiziert zu werden. In dieses Kapitel fällt auch die Funktion des geräuschlosen Fotografierens. Die Pen-F hat eine ganze Reihe von Auslöse-Einstellmöglichkeiten: Eine Serienbildfunktion von bis zu 10 Bildern pro Sekunde, Zeitraffer-Aufnahmen, HDR-Belichtungsreihen, Fokus-Aufnahmereihen und die Möglichkeit lautlos auszulösen.

In Verbindung mit dem live-view konnte ich wunderbar als einer der vielen Smartphone-Addicts getarnt in der New Yorker Metro Bilder machen.

Ein weiteres Highlight der 20 Megapixel Kamera ist der “High-Res-Shot”: Mit Hilfe des Bildstabilisators werden acht Aufnahmen verschoben aufgenommen und zu einem hochauflösenden Bild zusammengesetzt. So ermöglicht der High-Res-Shot Bilder in 50 Megapixel (jpg) aus der Kamera oder sogar 80 Megapixel bei Raw-Aufnahmen.  Das funktioniert logischerweise nur vom Stativ, ich habe es einmal ausprobiert, klappt.

Apropos Stativ. Toll ist, dass das sich das Stativgewinde in der optischen Achse befindet, weniger toll, dass es recht nah am vorderen Gehäuserand ist. Mit dem angeschraubten 7‑14mm oder mit dem 12 – 40mm konnte ich meine Manfrotto Wechselplatte nicht mehr anbringen, da die Objektive im Weg waren.

Die meisten Einstellungen lassen sich auch über den elektronischen Sucher vornehmen, beispielsweise den ISO-Wert oder das Umschalten von “normalem” auslösen zum geräuschlosen. Praktisch, wenn man wie ich den Monitor in der Regel eingeklappt lässt. Allerdings auch etwas knifflig hier und da. Es sind eben viele Knöpfe, Rädchen und Schalter an der Kamera. Eine Übungsfrage.

Meine Hoffnungen mit der Pen-F eine Kamera zu haben, die unauffällig aber sexy ist und dabei noch professionellen Ansprüchen genügt, wurden erfüllt, hier und da sogar noch übertroffen, zum Beispiel was die Auslösemöglichkeiten und die WiFi-angeht.

Sie macht eine gute Figur und hervorragende Bilder, was will man mehr!

Aber lassen wir die Bilder sprechen. Viel Spaß.